Heinz, Erhardt, ein Ostergedicht und der Lappan Verlag

Muss ich mich eigentlich alt fühlen, nur weil ich noch Heinz Erhardt kenne? In meiner Jugend gehörte Heinz zu meinem Leben wie regelmäßiges Frühstücken und Zähne putzen. Die Glotze war voll mit seinen lustigen und vor allem oft gesellschaftskritischen Sprüchen. Und es verging nicht eine Woche, in der nicht irgend jemand eine der Anekdoten raushaute oder besonders die schlüpfrigen Passagen des wortgewandten Rethorikspezialisten zum Besten gab. Heinz Erhardt war ein lustiger aber auch weiser Dichter, Denker, Schauspieler, Philosoph und vor allem Mensch, der eine ganze Nation mit Spaß und Ernst gleichermaßen erfreute, zum Nachdenken anregte und auf das Wesentliche im Leben hinwies: Lebe dein Leben und genieße es!

Geblieben ist mir aus dieser Zeit nur das Zähne putzen. Regelmäßiges Frühstücken habe ich mittlerweile verlernt und Heinz Erhardt wird höchstens noch beim Kaffeekränzchen von Personen dargeboten, die mein heutiges Alter schon inne hatten, als ich noch mit Kreide die Straße bemalt habe. Das änderte sich schlagartig, als der Lappan Verlag mir vorletzte Woche eine Rechnung über Schadensersatz zukommen ließ.

Lappan Verlag schickt Schadensersatzforderung (keine Abmahnung!) für Heinz Erhardt Gedicht

Auf unserer Osterseite habe ich vor vielen Jahren ”Ein Ostergedicht” von Heinz Erhardt eingebaut. Zugegeben, aus heutiger Sicht ein Fettnäpfchen, welches ich mir so nicht wieder vor die Füße legen würde. Aber es ist (war) nunmal auf der Seite und ich bin voll reingetreten. So flatterte von einer Anwaltskanzlei im Namen des Lappan Verlags eine Schadensersatzforderung in Höhe von knapp 600 Teuro in den Briefkasten. Bemerkenswert daran ist, das es zwischen einem kostenlosen Hinweis und einer erheblich teureren Abmahnung, also unser beliebten schwarzweißen Welt, doch noch etwas anderes gibt. Über die Höhe der Forderung, für ein 4zeiliges Gedicht kann  man sich streiten. Denn so bekannt und gefragt ist der Heinz Erhardt ja nun auch wieder nicht (mehr) und es soll Gerichte geben, die solchen Forderungen die rote Karte zeigen. Aber ich verdiene im Netz mein Geld, weiß was  das Urheberrecht ist und kann Zeitaufwand und Kosten für einen Rechtstreit einigermaßen abschätzen. Mann könnte noch argumentieren, dass man ohne unsere Seite über den Osterhasen den Heinz Erhardt noch weiter in die Versenkung abgleiten lassen würde. Auch über eine Verlinkung zum Verlag oder das Vermarkten von Heinz’schen Werken hätte man nachdenken können. Aber Lappan wählte eben lieber diesen Weg, um zu Schützen was ihnen gehört. Und sie haben in meinem Fall ja auch alle Rechte dazu.  Ich habe die Rechnung bezahlt und Heinz bekommt nun bei uns für immer Hausverbot.

Von Leistungsrecht zum Shitstorm – Schadensersatz von Bloggern und privaten Seitenbetreibern

Lappan geht in großem Stil gegen zahlreiche Rechteverletzer vor, wie man den sich häufenden Berichten zu der Schadensersatzforderung entnehmen kann. Auch Tibor hat wohl Berührungspunkte mit dem Lappan Verlag und die TAZ berichtet ebenso  Scheinbar hat man knapp 400 Seitenbetreibern eine Schadensersatzforderung zukommen lassen. Darunter aber auch zahlreiche private Seitenbetreiber und Blogger, die ein Zitat oder Gedicht von Heinz Erhardt auf ihren Seiten veröffentlichten. Wahrscheinlich weil Sie den Mann toll finden und das zum Ausdruck bringen wollen. Bei uns kann ich noch den gewerblichen Zusammenhang akzeptieren und damit das unrechtmäßige Veröffentlichen eines Gedichtes von Heinz Erhardt eingestehen. Aber warum müssen immer wieder Privatpersonen auf so perverse Art eingeschüchtert werden?

Es folgte was folgen musste. Lappan schaffte es vom einfachen Rechteinhaber auf die Shitstorm Autobahn. Einmal in Fahrt, rollt das Ding unaufhaltsam durch’s Netz. heise.de greift das Thema auch auf und es wird juristisch diskutiert und von zahlreichen Anwälten behandelt.

Lappan rudert zurück und keiner will mehr mit Heinz spielen.

Mittlerweile rudert die Lappan Verlag GmbH zurück und versucht Schadensbegrenzung statt Schadensersatzforderungen zu betreiben. Zurück bleibt verbrannte Erde und eine Verbannung der Werke von Heinz Erhardt aus zahlreichen Blogs. Immer weniger wollen mit Heinz spielen und ihm seine Sympathie bekunden, weil Andere (nicht der Heinz) eine private! Nutzung seiner Werke nicht wünschen. Bleibt nur noch das Kaffeekränzchen, bei dem man den Heinz (noch) wahrnehmen wird. Es ist wie mit der Musikindustrie: Tut man sich wirklich einen Gefallen, wenn man das Kopieren und Verteilen von Musik komplett unterbinden will? Hat nicht gerade eine aktuelle Studie ergeben, dass der höchste Umsatz mit legal gekaufter Musik mit Filesharern zu machen ist?

Ohne Privatpersonen, die Heinz Erhardt ins Gedächtnis der älteren Generation zurückholen und den Jüngeren vermitteln, verstaubt ein genialer Geist in den Archiven von Rechteinhabern und wird damit vergessen.

Auch bei uns wird Heinz Erhardt nienienienie mehr zu finden sein (alder, isch schwör!). Aber damit er nicht ganz in Vergessenheit gerät, behalten wir wenigstens seinen Namen in guter Erinnerung:

>> Ein Ostergedicht mit Heinz und Erhardt

Achtung! Dieses Gedicht ist urheberrechtlich geschützt. Wer uns aber einen Link auf unserer Osterseite (oder eine andere) spendiert, darf das Gedicht statt eines Zitates oder Gedichtes von Heinz Erhardt auf seinen Seiten veröffentlichen.

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2 Kommentare zu Heinz, Erhardt, ein Ostergedicht und der Lappan Verlag

  • david schlesinger

    Sehr geehrter Herr,
    Sie sagen Sie kennen das Urheberrecht; wieso wundert es Sie, wenn es greift?
    Sie dürfen nicht auf den Verlag sauer sein, sondern sollten lieber versuchen,
    das Gesetz zu ändern, wenn es Ihnen nicht passt.
    Mit freundlichen Grüßen, Schlesinger

  • Sehr geehrter Herr Schlesinger,
    ich wundere mich nicht, dass das Urheberrecht greift.
    Ich sage auch nicht, dass mir das Gesetzt nicht passt.
    Ich rege mich über den Abzockwahn im Zusammenhang damit auf.
    Und darüber, dass Privatpersonen,
    die mit dem Urheberrecht eigentlich nichts zu tun haben,
    und überhaupt erst für Verbreitung sorgen,
    so abgewatscht werden.
    Ich glaube, das ist etwa anderes ;)

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